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die familie giulini
 

Giulini und Aluminium seit über 100 Jahren eine gute Verbindung

Dr. Georg Giulini

 

Dr. Georg Giulini (1858 - 1954)

Georg Giulini studiert an der Technischen Hochschule in Karlsruhe und an der Universität Heidelberg bei Professor Bunsen Chemie und schliesst 1881 mit dem Doktorat ab. Nach seinem Studium ist er für die Gebrüder Giulini GmbH in Ludwigshafen tätig und optimiert das Pyrogen-Verfahren für die Aluminiumoxidherstellung. Später leitet er die Gesellschaft gemeinsam mit seinen Brüdern Paul und Wilhelm.

 

Le roi d‘alumine

 

1903, im Alter von 45 Jahren, übernimmt Georg Giulini die alleinige Leitung der Gebrüder Giulini GmbH. Die Zukunft des auf chemische Produkte spezialisierten Unternehmens richtet er von Beginn an konsequent auf Aluminium aus. Schon nach kurzer Zeit ist er aufgrund seiner langjährigen Erfahrung in der Herstellung von Aluminiumoxid weltweit führend und wird respektvoll „le roi d’alumine“ genannt.

 

Pionier und Vorreiter

 

Georg Giulini leistet auf dem Gebiet der Tonerdeproduktion Pionierarbeit. Anfangs nutzt er dazu, als Basis für Tonerdesalze, grönländisches Kryolith. Ab 1865, 23 Jahre bevor mit der AIAG/Alusuisse der weltweit erste Aluminiumhersteller den Betrieb aufnimmt, verwendet er hierfür französischen Bauxit. Um die Verfahrensschritte der Produktion geheim zu halten, lässt Giulini seine Innovationen nicht als Patent anmelden, sondern übergibt ihre Beschreibung einem Notar. Als 1892 Bayer das vollständige Nassverfahren zum Patent anmeldet, hat Georg Giulini die wesentlichen Schritte hierzu bereits hinterlegt. Aufgrund Giulinis Vorreiterstellung sind die Aluminiumhersteller weltweit auf seine Tonerdelieferungen angewiesen. Erst ab der Jahrhundertwende können Aluminiumhersteller Tonerde in Eigenproduktion herstellen. Die Qualität der Giulini-Tonerde bleibt jedoch unerreicht.

 

Europaweite Expansionen – Aufstieg der Gebrüder Giulini GmbH

 

Giulini strebt einen Aluminiumkonzern an, der alle Bereiche der Wertschöpfungskette abdeckt. Um dieses Ziel zu erreichen gründet er 1897 in Südfrankreich eigene Werke zur Sicherung der Rohstoffversorgung. Im Bereich der Aluminiumproduktion setzt Georg Giulini zunächst auf Kooperationen mit anderen Unternehmen, um sich das nötige Know-how anzueignen.

Fabrikbau 1938

1908 baut er im Rahmen seines Expansionskonzepts in Martigny (Schweiz) eine eigene Aluminiumhütte. Diese nutzt er als Versuchsanlage und testet dort Elektrolyseöfen, die in seinen Werken in Ludwighafen entwickelt werden. Nach und nach gliedert Giulini dem Konzern weitere Bergbauunternehmen zur Sicherung der Rohstoffversorgung und Walzwerke zur Weiterverarbeitung des Aluminiums ein. Die bekanntesten sind das Walzwerk in Wutöschingen (Deutschland) sowie in Münchenstein (Schweiz).

 

Innovation und Expansion sind für Georg Giulini die leitenden Begriffe auf allen Konzernebenen. Während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts weitet er das Firmennetz der Gebrüder Giulini GmbH immens aus. Es erstreckt sich von
Deutschland aus über Kroatien, Slowenien, Schweiz, Frankreich, Belgien und Norwegen.

 

Patentente und Innovationen – der Krieg als Erfolgsbremse

 

Der geographischen Expansion folgen viele weitere Neuerungen. Grosse Bedeutung für den Freileitungsbau und Leichtmetall-Konstruktionen haben die patentierten Legierungen Aludur 513 und Korrofestal. Weiterhin wird das in Martigny erarbeitete Know-how beim Bau des Erft- und des Innwerks in Deutschland eingesetzt. Diese beiden Werke sind weitere Schritte zum Ziel Giulinis, einer grossen Elektrolyse in Deutschland. Die Anteile an den Werken werden ihm jedoch bereits nach kurzer Zeit vom Staat enteignet. Durch weitere Enteignungen wird Georg Giulini im Ersten Weltkrieg nachhaltig geschwächt. Auch der Zweite Weltkrieg hat erhebliche Konsequenzen für Giulinis Unternehmen. Noch vor dem Krieg, 1936, wird die Aluminiumhütte in Ludwigshafen versiegelt, nachdem der Reichswirtschaftsminister den Bau der Hütte mit der Begründung abgelehnt hatte, dass „die Firma Giulini [...] durch die Errichtung einer Aluminiumerzeugungsanlage als einzige Gesellschaft den vertikalen Aufbau ihres Unternehmens vom Bauxit bis zum Halbzeug durchführen und damit einen gewaltigen Vorsprung vor den übrigen deutschen Aluminium-Herstellern und -verarbeitern gewinnen [würde].“ 1943 wird das Werksgelände in Ludwigshafen ein erstes Mal bombardiert. Bei insgesamt 22 Luftangriffen auf das Werk werden 43 Arbeiter getötet und 285 verletzt.

Elena Herr-Giulini

Elena Herr-Giulini (1887 - 1984)

 

Die Tochter Georg Giulinis übernimmt Anfang der 50er Jahre die Führung der Aluminium Martigny SA. Georg Giulini, zu jener Zeit bereits über 90 Jahre alt, hatte Ende der 40er Jahre mit dem Gedanken gespielt, die beiden Fabriken in Martigny-Bourg und Martigny-Ville zu schliessen. Elena Herr-Giulini setzt sich für den Fortbestand der Aluminium Martigny SA ein.

Berto Giulini

 

          Berto Giulini (1930 - 2004)

Berto Giulini studierte in Karlsruhe, Mannheim und Mainz und wurde Diplom-Kaufmann. 1962 tritt er in das Familienunternehmen Gebrüder Giulini GmbH ein. Im Januar 1985 wird er Mitglied im Verwaltungsrat der Aluminiumfabrik in Martigny , dem er bis 2004 angehört.

Lorenzo Giulini (*1958)

 

Lorenzo Giulini ist der Sohn von Berto Giulini und seit 1994 im Verwaltungsrat der Aluminium Martigny SA tätig. Heute ist er die treibende Kraft hinter Alu-Scout, dem Fachportal der Aluminiumindustrie.

 

Hans Joachim Giulini

 

Hans Joachim Giulini ist ebenfalls der Sohn von Berto Giulini und seit 2009 als Geschäftsführer der Alu-M. Gruppe tätig.